DEZEMBER  – Und Anja? Wie würde Anja die Geschichte vom schusseligen Christkind wohl erzählen

DEZEMBER – Und Anja? Wie würde Anja die Geschichte vom schusseligen Christkind wohl erzählen

17. November 2018 0 Von administrator

 

So kurz vor Weihnachten standen bei uns fast immer Grundsatzdebatten an. Dazu muss ich sagen, ich war als kleines Mädchen immer ein echter Schussel. Jetzt sagt nicht, dass ihr das Wort Schussel nicht kennt, es steht für gedankenlos, zerstreut und vor allem vergesslich. Meine Mutter warnte mich stets mit den Worten: „Denk daran, alles im Leben kommt wie ein Bumerang zurück.“

„Wie?“, fragte ich neugierig auf ihrem Schoß sitzend.

„Na ja.“ Sie druckste ein wenig, wusste wohl nicht so recht wie sie es mir erklären sollte und so schaltete sich die Oma ein.

 „Der liebe Gott hat es so eingerichtet, dass man mal über das was man so macht, vor allem wenn man so unbedacht dabei ist wie du, bei deinen Äußerungen und Taten, das man das mal umgekehrt erleben kann.“

Ich schaute Oma an. „Wie meinst du das?“

„Na ja… Wir haben dich das ganze Jahr immer wieder ermahnen müssen, deine Hausaufgaben zu machen, den Sportbeutel nicht zu vergessen, den Klavierunterricht nicht zu schwänzen, die Blumen zu gießen bei Tante Marie, das Geld dazu hattest du im Voraus bekommen, das Bitte und Danke immer schön sagen und, und, und… Was machst du stattdessen? Versprechen ja, aber wenn es denn soweit ist… Und damit man das mal lernt, hat der liebe Gott eben diese Bumerang Sache im Leben eingebaut.“

 „Blödsinn“, erklärte ich der Oma.

„Nein, nein, das ist kein Blödsinn“, erklärte sie mir. „Denk nur an den Zettel im Frühjahr für die Klassenfahrt die ihr machen wolltet, wir haben keinen Zettel von dir bekommen das so etwas ansteht. So konntest du nicht mitfahren, denn auch die Aufforderungen die Fahrt zu bezahlen sind nie bei uns angekommen, weil Anja ihren Schulranzen nicht aufgeräumt hat. Erst als die Sommerferien zu Ende waren und Anja den Ranzen für das neue Schuljahr packen musste und alles andere auf den Boden kippte, da tauchten diese Zettel auf. Du bist ein Schussel, ein richtig schussliges Mädchen, wenn dein Kopf nicht angewachsen wäre würdest du den auch ständig vergessen.“

Ich stieg von Mamas Schoß runter stampfte wütend auf und schrie die Oma an: „Ihr wolltet mich nicht mitfahren lassen weil ihr Angst hattet das ich verloren gehen kann! Ihr habt mir das absichtlich vermasselt!“

„Na, na, na, überleg dir was du da sagst“, wurde ich beschieden.

„Das war nur dein erster bewusster Bumerang“, erklärte sie mir gleich hinterher. „Du hast den Antrag nicht abgegeben und durftest daher nicht mit. So ist das nun mal im Leben.“

Ich stampfte wieder wütend auf. „Das ist ungerecht!“

„Nein, Anja das ist es nicht“, betonte die Oma jetzt während sie über ihre runden Brillengläser schaute. „Das sind ganz einfach Lernprozesse die uns helfen besser zu werden. Aber du hast eben deine Hausaufgaben in diesem Fall wieder einmal vergessen.

 

Wo wir gerade dabei sind… Hast du eigentlich schon deinen Wunschzettel für das Christkind geschrieben? Denk dran, nur noch acht Tage bis Heilig Abend.“

Ups. Ich biss mir auf die Lippe, das hatte ich schlichtweg vergessen.

„Nun?“, fragte jetzt auch meine Mutter nach. „Nicht, dass das wieder so ein Fiasko wird wie mit der Klassenreise. Wir haben heute den 3. Advent, da müsste sogar dir dazu ein Lichtlein aufgegangen sein, was das bedeutet.“

Verflixt, verflixt aber auch.

„Ich hab ihn schon angefangen“, sagte ich langsam. Mein Vater, der gerade eintrat und der die letzten Worte von Mama gehört hatte, lachte. Er konnte gar nicht mehr aufhören. Auch die Oma und Mama fielen ein.

„Wer es glaubt“, japste meine Mutter.

Ich stampfte wieder auf. „Wenn ich es euch doch sage, ich habe ihn schon angefangen.“

 Opa in seinem Sessel sitzend, etwas schwerhörig, guckte mich schräg an und meinte dann: „Könnt ihr es schon sehen, ihre Nase wird immer länger.“

Wütend fuhr ich herum. „Ich lüge nicht, ich hab wirklich schon angefangen!“

Mein Vater schnappte nach mir, hob mich hoch so das ich auf seine Augenhöhe kam und erklärte, er glaube mir. „Allerdings glaube ich auch, dass du ihn wieder verschusselt hast in dem Durcheinander in deinem Kinderzimmer.“

 Ich zog einen Flunsch, quetschte dann heraus: „Ich will das nicht mehr hören.“

„Was?“, fragte mein Vater. „Was willst du nicht mehr hören?“

„Kinderzimmer“, antwortete ich. „Ich bin kein Kind mehr.“

„Nicht?“ Die Familie starrte mich an. „Was bist du denn dann?“

„Ein Mädchen“, bekamen sie zur Antwort.

„Aha, ich verstehe.“ Mein Vater schmunzelte und fragte dann: „Du willst uns also damit sagen, dass du deinen angefangenen Wunschzettel in dem Mädchenzimmer verschusselt hast?“

„Verlegt“, verbesserte ich.

„Untergegangen in dem Durcheinander welches zuvor im Kinderzimmer schon existent war“, hakte Mama nach.

 „Verschusselt, nicht anderes hat sie gemacht, im Verschusseln ist sie perfekt“, mischte sich die Oma ein. „Sie hat ihn schlichtweg verschusselt, na ja, was anderes ist von Anja auch kaum zu erwarten. Warte Anja, warte mal ab, dafür kommt sicher auch wieder ein Bumerang, vielleicht ist das die einzige Möglichkeit dass du das schusseln mal lässt und endlich ordentlich wirst.“

„Ihr seid so gemein!“ Noch einmal aufstampfen, dann eine Drehung und ab ins Kinderzimmer, pardon, Mädchenzimmer.

„Haben wir ihr jetzt zu viel zugesetzt?“, fragte die Mutter dann erschrocken.

„Nein“, die Oma schaute sie an. „Sie muss es endlich mal lernen, du hast es auch auf diese Art gelernt. Erinnere dich.“

„Wie du hast auch…?“ Ihr Mann schaute sie überrascht an. „Das hast du mir nie erzählt.“

„Bis ich dich kennenlernte hatte ich das im Griff“, wiegelte die Mutter ab. „Das sind alte Geschichten.“

„Alte Geschichten… so, so“, erwiderte der Vater. „Fang mal an, mich interessiert das.“

„Nein.“ Genauso trotzig wie zuvor Anja reagierte jetzt auch die Mutter.

„Musstest du denn da wieder von anfangen?“, fragte die Mutter jetzt erbost ihre Mutter. „Das ist verjährt.“

„Deins ja“, erwiderte die Oma. „Aber in deiner Tochter wieder erwacht. Sie ist dein Bumerang wenn man es so betrachtet.“

Hm, die Mutter wurde nachdenklich. Sollte sie wirklich die Unarten ihrer Tochter als ihren Bumerang ansehen? Das wäre nicht fair, denn somit käme, wenn sie so nachdachte, noch so einiges auf sie zu. Vielleicht sollte sie einfach anders darauf reagieren wie ihre Eltern einst, um Anja auf den rechten Pfad zu bringen. Andererseits, was hieß rechter Pfad? Sind wir nicht alle Individuen, jeder für sich und somit gerade in der Originalfassung goldrichtig? Natürlich konnte man nicht alles durchgehen lassen, das war klar. Hin und wieder mal in die Zügel greifen und sanft lenken, konnte indes nicht schaden. Nachher im Bett, da würde sie es Gerald erzählen.

Das mit dem Weihnachten was ausfiel weil sie vergessen hatte ihren Wunschzettel zu schreiben. Wie sie verzweifelt alles abgesucht hatte, ob nicht doch irgendwo ein Geschenk zu finden sei. Nichts, nichts, nichts. Das war das trostloseste Weihnachtsfest das sie je erlebt hatte. Und dann in  der Schule, als alle von ihren tollen Geschenken erzählt hatten, und sie auf die Frage der Lehrerin was sie denn bekommen habe geantwortet hatte: „Nichts.“

„Nichts?“ Alle hatten sie angesehen, richtig ruckartig waren die Köpfe zu ihr gedreht worden. Sie hatte all ihren Mut zusammen genommen und dann gesagt, dass sie ihren Wunschzettel nicht rechtzeitig abgeschickt habe und daher natürlich auch nichts bekommen konnte. Stille war damals im Klassenraum gewesen. In der Pause wurde sie gehänselt, ausgelacht. Sie hatte den Kopf jedoch hoch erhoben behalten, es nicht an sich herankommen lassen. Sie hatte ihre Lektion gelernt.

Die Lehrerin hatte sie nach der Stunde noch einmal zu sich gerufen, dann hatte sie sie mittags sogar nach Hause begleitet und mit ihrer Mutter ein langes Gespräch gehabt.

Wenn Anja jetzt den Wunschzettel schrieb und wieder vergaß, sie würde ihn suchen und dann… dann würde sie ihr eine ganz Art der Lektion zukommen lassen, wie einst ihre Mutter ihr.

Neugierig geworden? Im Buch geht es weiter…

Iris Version des Schussligen Christkindes findet sich auch in diesem Buch an…

 

 

 

Daten zu dem Buch:

 

Christa Helling

 

DEZEMBER (be) sinnliche Zeit

Geschichten und Erinnerungen

 

152 Seiten

ISBN: 9783745039634

 

10,00 €

 

 

 

Über epubli erhältlich:

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auf keinem Fall amazon direkt anklicken… das Buch bekommen sie dann nicht sondern nur vertröstende Emails

 

Christa Helling
DEZEMBER (be) sinnliche Zeit
Geschichten und Erinnerungen
152 Seiten
ISBN: 9783745039634
10,00 €

 

 

 

BUCH: DEZEMBER (be)sinnliche Zeit

LESEPROBEN:

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