DAS MEDAILLON – aus Mittendrin – Leseprobe 3

16. Juli 2018 0 Von administrator

Carlo legte die Bilder auf den Tisch.
„Warte“, bat Malon. „Wir sollten das gleich für unsere Freunde aufzeichnen, nicht, dass wir alles hinterher aus dem Gedächtnis erzählen müssen.“
Anja fuhr sich durch Haar, was dadurch verwuschelt aussah, Herr Rosenthal starrte sie an und sagte: „Liebes, schau, Frau Holm sieht aus wie die liebreizende Isabella Bretoni. Weißt Du noch, wie sie immer den ersten Dienstag im Monat, zum Kaffeetrinken bei uns war? Wie sehr wir ihre Geschichten liebten?“
„Ich sagte es bereits unten vorm Haus mein Lieber“, tadelte sie ihn sanft. „Du warst anscheinend wieder mit deinen Blick rundherum spazieren gegangen.“
Sonja die gerade ihren Laptop öffnete, hatte diese kleine Ansprache gehört, hmmm das war ja interessant, ergab aber auch wieder neue Verwicklungen. Malon tippte was. Kannst du Anja mit kürzeren Haaren und solchen Locken wie man sie um jene Zeit getragen hat, malen? Versetze Anja einfach in jene Zeit und schick mir das Bild.
Was versprichst du dir davon?, fragte Sonja ihrerseits nun tippend.
Ich weiß noch nicht, es ist noch nicht fassbar, antwortete Malon. Es kann uns aber weiterhelfen schätze ich mal.
Gut, dann mache ich es, tippte Sonja.
Jetzt bitte, schrieb Malon.
Grmpf. Na gut.

Malon sah, wie Sonja nach Block und Stiften griff und anfing. Carlo hatte mittlerweise die Bilder, die er und Anja entwickelt hatten, auf dem Tisch ausgelegt. Christina hatte die Tafeln die sie mit den bereits gewonnenen Informationen bestückt hatten, aus dem Nachbarzimmer geholt.
Fertig, tippte Sonja. Ich schick es dir jetzt. Muss dann aber nach Iris sehen, die ist immer noch durch den Wind.
Danke, tippte Malon, begab sich dann in ihr Arbeitszimmer und druckte das Bild aus. Wirklich verblüffend diese Ähnlichkeit. Sie holte eine neue Tafel herbei und befestigte das Bild von Anja auf dieser. Noch schenkten die anderen dieser Tafel keine Aufmerksamkeit.

Es waren sehr schöne Aufnahmen, die auf der Kamera waren und die Zeiten so überdauert hatten. Die ersten Bilder waren wohl jene Bilder, wegen denen damals

Alexander Bretoni verhaftet worden war.
Sie zeigten ihn im Widerschein der Gaslaternen als Schatten, wie er den Führer bei einem Stelldichein mit einem sehr schönen Mann zeigte. Einem Mann, der sich küssen ließ und wie beide auf die dort stehende Ottomane niedersanken. Bilder, die, wären sie erschienen, ihm den Kopf gekostet hätten.
„Und doch, irgendwas ist komisch daran“, meinte Christina. „Irgendetwas stört mich daran.“
„Sie haben recht“, entgegnete Herr Rosenthal, der sich die Bilder auch genauer ansah. „Das ist ein Stück aus dem Schmierentheater.“
„Wie?“, fragte Carlo.
„Der Schönling ist eine Frau, zurecht gemacht wie ein Mann“, erläuterte Herr Rosenthal. „Und der andere, der den Führer spielt, ist größer, die Schultern hängen nicht so, das Haar, ist voller, lockiger.“
Anja griff nach den Bildern. „Stimmt“, sagte sie nach einer Weile. „Mich würde es nicht wundern, wenn für diese Schmierenkomödie sich auch wieder die schöne Helena hergegeben hat. Und zusätzlich das Gerücht um den Verräter in die Welt gesetzt hat. Sie hat wirklich mit allen schmutzigen Mitteln gekämpft, um ihren Schwager zu bekommen.“
Weitere Bilder zeigten schöne Plätze der Stadt, die heute kaum wieder zu erkennen waren. Auch die Monumentalen Gebäude die in dieser Zeit entstanden waren, um Größe und Macht zu demonstrieren. Aufmärsche am Rande und jene, die niedergeknüppelt wurden, wenn sie nicht den Arm hoben und wieder, wie ein Schatten eindeutig zu erkennen, Helena von Lohen.
„Sie muss ihm, dem Führer sehr nahe gestanden sein, um soviel Macht in den Händen zu halten“, sinnierte Herr Rosenthal. „Sie muss dafür aber schon sehr zeitig mit angefangen haben, sich in diesen erlauchten Kreis, um ihn herum zu bewegen. Und doch, ist sie auf offiziellen Bildern immer sehr im Hintergrund, wenn überhaupt. Eine Spinne die ihr Netz fein gewoben hat, um im richtigen Moment zuzuschlagen.“

Dann das Bild, das Frau Buske gemacht hatte, das Bild einer glücklichen Familie Bretoni. Der Blick, den Alexander Bretoni seiner Frau schenkte, man spürte die Liebe, die diese beiden Menschen verband geradezu. Die Hände, die mit denen der Tochter verschlungen waren, die stolzen, zärtlichen Blicke die auf Leandrah lagen.
Noch ein weiteres Bild, das war wohl auch noch von Frau Buske gemacht worden, ein Schreckfoto, dass die Situation festhielt, wie der Herr Bretoni in den Wagen gezerrt wurde. Und Isabella, so wie auch ihre Tochter, starr vor Schreck waren. Carlo stellte fest: „Anja und ich waren auch verblüfft, denn Frau Buske hatte ja nur von einem Foto der Familie Bretoni geschrieben. Wahrscheinlich ist dieses Bild ein Zufallstreffer, jetzt aber, in der Gesamtheit noch mal um so wichtiger, schaut Euch mal die andere Straßenseite an. Dieser Schatten, dieser schwarze Hut, die Handschuhe, die Gestalt an sich, das ist…“
„Helena von Lohen, eindeutig, hier in Hosen und Stiefeln“, beendete Christina den Satz. „Dann war das Luder so, als wenn sie nicht genau wusste was geschehen war, bei der Frau Buske um ihre Nichte abzuholen. Unfassbar.“

Frau Rosenthal fragte, ob denn Isabella wohl ihre Schwester gesehen oder erkannt habe.
„Kaum“, meinte ihr Mann daraufhin. „Sie war geschockt, ihre Haltung drückt das hier auf dem Bild eindeutig aus.“
Malon hatte dieses untrügliches Gefühl, das jetzt etwas geschehen musste. Sie nahm Sonjas Bild von der Wand, stellte sich neben Anja auf, das Bild neben sie haltend. Es war ein Experiment, was würde geschehen?

Carlo und Christina hielten den Atem an.
„Isabella“, fragte Malon da. „Du warst geschockt das wissen wir, hast du aber

irgendetwas gesehen, was sich trotz des Schocks in dein Gedächtnis eingebrannt hat, was du aber nicht glauben wolltest, weil es dir zu abstrakt erschien? Isabella, erzähl uns, was du gesehen hast…“
Carlo schob ihr das Foto hin, auf dem ihr Mann in den Wagen gezerrt wurde. Anja starrte darauf.
„Ich schaute um mich“, kam es aus ihrem Mund. „Ich sah auf der anderen Seite Helena… Aber das konnte nicht sein.“
Malon fragte wieder: „Warum hast du sie nicht gerufen?“
„Ich weiß nicht, ich habe es verdrängt, denn ich konnte nicht glauben was ich sah, sie machte diese Handbewegung zum Wagen hin, das sie abfahren sollten und der Mann im Wagen salutierte ihr… Ich verstand es nicht. Vielleicht habe ich das Gesehene deswegen verdrängt. Ich wusste nur, ich muss mit Leandrah schnell nach Hause.“
„Wann?“, fragte Malon. „Wann, Isabella, ist dir klar geworden, dass hinter all diesen deine Schwester Helena stand?“
Carlo und Christina, ebenso wie die Rosenthals, schauten Anja an, deren Stimme sie wirklich an jene der Isabella erinnerte.
„Wann?“, fragte Malon erneut.
„Spät, zu spät“, flüsterte Isabella. „Ich habe mir immer eine gute Menschenkenntnis zugetraut, aber vielleicht ist man gegenüber der Familie einfach zu blind. Helena hat sich schon früher als Kind alles genommen, was sie wollte. Sie hatte ständig Ärger mit ihren Freundinnen, denen sie die Freunde, kaum dass diese sie ihr vorgestellt hatten, ausspannte. Aber ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass sie Alexander wollte. Sie hat doch gesehen, wie glücklich wir sind und Leandrah die Krönung unserer Liebe war. Ich hatte allerdings dort in den Wäldern ein komisches Gefühl, die Stimme die die Häscher antrieb… Aber Klarheit hatte ich erst in diesem Runkelkeller, als sie diese lostrat und unser Kind tötete.“
Sie begann zu weinen.
Malon nahm das Bild wieder weg, nahm stattdessen Anja in den Arm, streichelte sie.
„Mach weiter“, forderte Anja plötzlich. „Auch wenn ich jetzt nicht weiß, warum du das tust, aber es ist schön.“

🙂

Christa Helling

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BUCH : Das Medaillon im Strudel der Zeit

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